Sonnwendfeuer unter Wasser

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Ich war beim Sonnwendfeuer am Pürkelgut in Regensburg, welches alljährlich im Rahmen des Hexentanz und Feenzauber Mittelaltermarktes stattfindet. Der ursprüngliche Plan war es, vorher auch den Markt zu besuchen, aber das ging sich leider zeitlich nicht aus. Also bin ich gleich auf die Landshuter Straße zu dem Feld, auf dem „das größte Sonnwendfeuer Bayerns“ entzündet werden sollte. Laut Feuerwehr war der Scheiterhaufen 15 Meter hoch und hatte ein Volumen von 64 Kubikmetern. Ich baute also mein Stativ lieber erst mal in sicherer Entfernung auf und schraubte das 70-200mm an – Freie Sicht auf das Feuer und die Containerumladekräne als Hintergrund. Schön gedacht, schlecht gemacht – die Bilder von dem Standpunkt sind ganz nett, aber eben zu distanziert.

Also hab ich mir meine Kamera mit dem 16-35mm und das Stativ umgeschnallt und bin direkt zum Feuer. Meiner Intuition folgend hatte ich meine Goretex-Offroad-Latschen an und das war auch gut so. Damit das Feuer nicht das ganze Feld frisst, hatte die Feuerwehr den Bereich um das Feuer knöcheltief unter Wasser gesetzt. Zusammen mit dem durch den Dauerregen der letzten Tage aufgeweichten Boden war das eine echt stinkende Matschepampe. Aber ihr kennt das ja: „“If your pictures aren’t good enough, you aren’t close enough“ (Robert Capa). Also scheiß auf Schuhe und Socken und immer mitten rein in den Dreck. Was soll ich sagen – es hat sich gelohnt.

Kommen wir zum eigentlichen Thema, der Fotografie: Ein superhelles Feuer in dunkelster Nacht, das schreit ja eigentlich nach HDR. Dumm nur, dass das Feuer nicht stillhält. Dazu die unglaubliche Hitze, umherfliegende Glutfetzen in der Größe von Tischtennisbällen und die schon angesprochene Bodenbeschaffenheit – das verlangte nach Beweglichkeit. Da blieb das Stativ lieber am Rucksack und ich probierte es mit Freihand HDRs. Belichtungszeiten von einer 1/500 Sekunde für das Feuer und 1/10 Sekunde für die Umgebung stellten sich als gute Grenzwerte für die 5er Belichtungsreihen mit 2 Blenden Abstand bei ISO400 bis ISO800 heraus. Leider klappte das Zusammenbauen der sich bewegenden Flammen trotz der hervorragenden Geisterentfernung von Lightroom nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war also Handarbeit angesagt, d.h. manuelles Ebenenmaskieren in Photoshop. Dazu noch ein paar „normale“ Bilder mit dem 50er und dem 85er und die Serie war im Kasten. Der monochrome Schwarz-Orange Stil hatte es mir auf dem Kameradisplay schon angetan. Falls sich nun jemand fragt, wo das schicke rot-weiße Absperrband der Feuerwehr hin ist – ich sage nur Content Aware Fill.

Also alles super – und im nächsten Jahr ziehe ich einfach meine Gummistiefel an und dann klappt das auch mit der Matschepampe.
Bitteschön:

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