Fantastica Festival Adlersberg 2015

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Letztes Wochenende war wieder das Fantastica Festival in Adlersberg bei Regensburg. 2012 war ich zum ersten Mal dort, damals tagsüber mit Kinderwagen während meiner ersten Elternzeit. Die letzten beiden Jahre waren wir auch dort, aber da stand die Familie im Vordergrund und ich hab lieber meine Frau und meine Tochter als die ganzen Elfen, Pixies, Barbaren, Zauberer und Orks fotografiert – Also nix für den Fotoblog. Dieses Jahr sah es terminlich erst ganz schlecht aus, aber dann ergab es sich, dass ich am Samstag Abend doch für ein paar Stunden hinfahren konnte. Mir war klar, dass ich erst dort ankommen würde, wenn das letzte Licht schon weg wäre, aber ich erinnerte mich an tolle Lichtinstallationen und jede Menge Lagerfeuer. Wie Erinnerungen doch trügen können…

Es war stockfinster und alles, was nicht direkt an den beleuchteten Ständen passierte, verschwand in der Dunkelheit. Also Plan B – kurz nachdem ich dort eingelaufen bin, begann die Band Fuchsteufelswild zu spielen. Nicht mein Musikstil, aber mehr als eine Handvoll Charakterköpfe auf der (zugegebenermaßen kleinen und niedrigen) Bühne und nochmal ein paar fotogene Typen, die davor abgingen als gäbe es kein Morgen mehr. Also probierte ich mich mal wieder an diesen Genre und sofort kam mir wieder eine alte Happy Shooting Folge mit Konzertfotograf Wolfgang Heisel in den Sinn: Kein Licht und dann auch noch rot. Das 70-200 war genau richtig um nicht immer genau zwischen den hüpfenden Gewandeten zu stehen, aber Offenblende 2,8 wäre da etwas angebrachter gewesen als meine 4,0. Zum Glück hatte ich aber meinen ganz dicken Rucksack auf dem Rücken und so kamen das 85er und das 28er auch viel zum Einsatz (beide 1,8). Das Gute bei einem 90 minütigen Auftritt ist natürlich, dass sich irgendwann für den Fotografen alles relevante wiederholt und man für jede Bildidee bei weitem mehr als einen Versuch hat. Das sollte sich im zweiten Teil des Abends noch gewaltig ändern, aber ich will nicht vorgreifen. Wenn ich eins aus meinen bisherigen Fotoreportagen gelernt habe, dann das: Menschen in Aktion schauen 95% der Zeit nicht fotogen aus. Jemand in voller Inbrunst singt oder ein Instrument spielt, schneidet kontinuierlich die wildesten Grimassen. Um da ein Bild mit einem guten Ausdruck zu bekommen hilft nur Dauerfeuer. Was soll ich sagen, 24 Gb später war ein geiles Konzert vorbei (irgendwann gefiel mir die Musik dann doch) und ich hatte diese Schätzchen im Kasten.

Und das war nur das „Vorspiel“. Denn der eigentliche Grund meines Besuchs auf dem Festival war die Feuershow der Gruppe Hammerflausch. Menschen, die sich der Dunkelheit bewegen und dabei hell brennende Gegenstände durch die Gegend wirbeln. Warum kann ich nicht einfach Landschaften fotografieren gehen? Anders als bei dem Auftritt der Band zuvor ging hier alles sehr schnell vorbei und eine zweite Chance bei einem verpassten oder fotografisch verkackten Motiv bekam man nur selten. Aber alles der Reihe nach.
Vor Beginn der Show bildete das Publikum brav einen großen Kreis, in dem die Show stattfinden sollte. Als die guten Plätze „vergeben“ wurden, stand ich leider grad an der Getränkeausgabe. Also musste ich mich mit Bierkrug und dickem Fotorucksack vor die erste Reihe mogeln um mich dann an der aus meiner Sicht besten Stelle auf dem Boden niederzulassen (ich wollte ja den Orks und Barbaren hinter mir nicht in der Sicht stehen). In weiser Voraussicht legte ich mir mein 28er, mein 50er, mein 85er und das 70-200 ohne Schutzkappen in den offenen Rucksack vor mir. Die Show war der Hammer und meine Taktik mit den häufigen und schnellen Objektivwechseln ging voll auf. Mal stand eine Akteurin genau vor mir und ich konnte sie mit dem 28er bildfüllend abbilden, mal war das Geschehen so weit weg, dass ich bis an die 200mm gehen musste – wobei 200mm, 4,0er Offenblende und ISO12800 selbst mit Bildstabilisierung keine gute Idee ist. Was mich allerdings vom Hocker gehauen hat ist der 3D Follow-Focus zusammen mit der ISO Automatik. In Verbindung mit Verschlusszeiten unter 1/250s und Blenden zwischen 1,8 und 4,0 (je nach verwendetem Objektiv) saß so gut wie jede Belichtung. Und auch Fehlfokussierung hatte ich erstaunlich wenige. Die 90% Ausschuss, die ich bei weiteren 32Gb Rohmaterial erzeugt habe, waren wie bei der Band schon dem Dauerfeuereinsatz geschuldet. Aber am Ende sind doch diese schicken Bildchen rausgefallen.

Lasst mich das mal zusammenfassen: ich habe etwas über zwei Stunden fotografiert, 56 Gb Daten erzeugt und einen ganzen Kameraakku durchgelassen. An letzterem ist vermutlich die exzessive Nutzung von Dauerfeuer und 3D-Fokus schuld.
Fazit: Es war eine geile Fototour, ich bin hoch zufrieden mit den Bildern und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.