Die Wünsche sind schon rausgewünscht

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Wie jedes Jahr im August war auch gestern wieder Sternschnuppen-Hype a.k.a. Perseidenregen. Der Himmel war frei, der Mond war neu, also bin ich Richtung Bad Abbach rausgefahren, um meiner Kamera dieses „Spektakel“ mal zu zeigen. Und während ich da so in völliger Dunkelheit mein Equipment aufbaue, ziehen schon die ersten dicken Sternschnuppen mit langen Leuchtspuren quer über den Himmel. Natürlich passierte das später nicht mehr in dem Ausmaß, als ich dafür bereit und die Kamera im Dauerfeuer war. Um auch ohne Perseiden ein gutes Bild mit nach Hause zu bringen, habe ich mir die liebe Milchstraße als Hintergrund und ein schickes Bäumchen als Vordergrund ausgewählt.

Es folgt nun eine kurze Beschreibung, wie ich zu den Bildern gekommen bin:
Den Bildausschnitt im Sucher festlegen kann man bei der Dunkelheit voll vergessen. Selbst die Infos im Sucher überstrahlen das ganze Bild so stark, dass man genau gar nichts erkennt. Also habe ich die Kamera auf dem Stativ grob in Richtung Baum und Milchstraße eingerichtet und mit Offenblende (f/4.0), 4 Sekunden Belichtungszeit und ISO12800 Testbilder gemacht, bis mir die Komposition gefallen hat. Den Autofokus hatte ich natürlich aus und manuell auf unendlich gestellt, d.h. erst mal ganz auf Anschlag. Als der Bildausschnitt dann gepasst hat, ging es an die Feinjustierung der Schärfe. Also wieder Testbilder mit obigen Einstellungen um dann die Schärfe im Display nach der Aufnahme bei ca 500% zu beurteilen.

Ist die Silhouette des Baums einigermaßen scharf?
Sind die Sterne schöne Pünktchen?

Nein – dann millimeterweise den Fokusring von der Endstellung wegdrehen und ein weiteres Testbild machen. Wie hätte ich mir da das Nikon Vollformat Fisheye gewünscht, wo Unendlich halt noch am mechanischen Anschlag ist – und ich auf Grund des größeren Blickfelds wohl auch ein paar mehr Schnuppen gefangen hätte. Egal, irgendwann ist der Fokus dann zufriedenstellend und die Komposition sitzt, d.h. man kann sich um die „richtige“ Belichtung kümmern. ISO hab ich natürlich erst mal ordentlich runter gedreht, bei 2000 habe ich mich dann eingependelt. Die Belichtungszeit musste ich dann auf 30s erhöhen, aber viel Zeit sollte ja auch viele Sternschnuppen bedeuten. Die Blende blieb komplett offen bei f/4.0, denn Licht zu verschenken hatte ich wirklich nicht. Noch ein Testschuß mit diesen Einstellungen bevor ich den Selbstauslöser auf 9 Wiederholungen hochgedreht und die Spiegelvorauslösung auf 3s eingestellt habe, obwohl mir das bei 16mm Brennweite immer noch ein wenig nach Voodoo schmeckt. Und dann konnte es schon losgehen. Auslösen, die Kamera knapp fünf Minuten arbeiten lassen, kurz das Ergebnis checken und wieder auslösen. Das habe ich dann ca. zwei Stunden so gemacht.

Was soll ich sagen, ich habe in der Zeit bestimmt 30-40 Sternschnuppen gesehen – über den gesamten Himmel verteilt, aber leider so gut wie nie im Blickfeld meiner Kamera. Nach einem kurzen Gespräch mit einem sehr netten Physiker, der irgendwann angefahren kam, weil er dort spazieren gehen wollte (und der im Gegensatz zu mir echt Ahnung von Astronomie hatte) habe ich auch temporär die Kamera mehr Richtung Nordosten auf das Sternbild Perseus gerichtet, „denn da kommen die Sternschnuppen ja her“. Leider war es in der Ecke sehr hell, weil hinter den Hügeln die Autobahn, der Pentlinger Rastplatz und vermutlich auch noch das BMW Werk die Nacht mit Licht verschmutzten. Also habe ich sehr schnell wieder auf den südlichen Himmel umgeschwenkt, um „wenigstens“ wieder mein Bäumchen und die Lichtstraße im Bild zu haben. Die hellste, längste und perfekt parallel zur Milchstraße fallende Sternschnuppe kam übrigens genau zu dem Zeitpunkt runter, als ich mit der Kamera in die andere Richtung gezielt habe.

Naja, am Ende ist doch ein Bild rausgefallen, dass ich veröffentlichen kann. Ihr fragt euch bestimmt, warum der Baum so hell ist? Das ist einem vorbeifahrenden Auto zu verdanken, dass genau im richtigen Moment die Fernlichter eingeschaltet hat. Natürlich nicht bei dem Bild, auf dem ich die beiden Schnuppen gefangen habe, d.h. der Baum ist ein wenig montiert, aber dier Himmel und die Sternschnuppen kommen aus einer Belichtung.

Und sonst? Im Gespräch mit dem Physiker kam das Thema natürlich auch auf die heimische Tierwelt zu sprechen. Ich fragte ihn, ob er keine Angst hätte, so allein mitten in der Nacht durch die angrenzenden Maisfelder und Wälder zu spazieren. Seine Antwort klang mir noch lange in den Ohren, auch als er schon in der Dunkelheit verschwunden war: „Wenn es vor dir raschelt, solltest du ganz entschlossen in die Hände klatschen. Fast alle Tiere hörst du dann flüchten – außer es sind Wildschweine, die fangen dann an zu grunzen“. Ich habe an dem Abend noch oft geklatscht, zum Glück hat es nie zurückgegrunzt.

In diesem Sinne, hier kommt mein Bild – Wolken, Milchstraße und zwei Wünsche:

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