Speed-Fotomarathoning

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Am 04.07.2015 war der zweite Fotomarathon in meiner Heimatstadt Regensburg. Wie schon beim ersten Marathon könnte ich wieder nicht teilnehmen. Fesselte mich letzten Herbst noch ein frisch operiertes Knie ans Bett, so stach diesmal die Familie das Hobby. Mein Lieblings-Cousin heiratete an dem Tag. Es war ein tolles Fest und ich dachte den ganzen Tag nicht eine Minute an die Veranstaltung über die ich jetzt schreiben möchte.
Am Sonntag nach dem Marathon / der Hochzeit juckte es mich dann aber doch in den Fingern und ich ließ mir die Themenliste zukommen. Und da der Abend noch jung war hatte ich eine aberwitzige Idee. Wer braucht schon sechs Stunden für 8 Themen – ich fang um 21:00 an und schau mal, wie weit ich komme. Und was soll ich sagen, kurz nach 23:00 war ich wieder daheim und hatte alle Themen im Kasten. Zufrieden bin ich mit fast allen Bildern, aber einige hätte ich am Tag so nicht machen können, weil sie nur mit künstlicher Beleuchtung funktioniert haben. Da ich keine Startnummer hatte, habe ich es mir beim ersten Bild auch etwas einfacher gemacht, ich hab eben keine Nummer im Bild. Und auch das OOC hab mal sein lassen, denn so sehr ich mein Nikon ISO Monster liebe, aber bei 12800 in eine dunkle Gasse fotografieren rauscht auch bei mir – bis Lightroom an das Bild darf. Ich habe mich aber in Lightroom für meine Verhältnisse extrem zurückgehalten. Keine Postprocessing Kunst, nur ein wenig an den Grundeinstellungen ziehen um das beste aus den Bildern zu holen. Geht ja um nix, kann man also machen.
Als ich den Themenzettel bekam, hatte ich kurz ein DejaVu. Filmtitel? Das hatte ich doch 2014 in Ulm schon mal. Anders als in Ulm habe ich aber die Inhalte der Filme völlig außer Acht gelassen, denn wer bei einem Fotomarathon zu viel um die Ecke denkt, gewinnt keinen Blumentopf und wird am Ende noch zu Unrecht disqualifiziert (Hallo Fotomarathon München 2014). Also habe ich mich allein auf die Titel der Filme konzentriert so wie sie da von dem abfotografierten Themenzettel auf meinem IPhone Display anstarrten. Und das ist dabei herausgekommen.

Nummer X lebt
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X sollte durch die Startnummer ersetzt werden. Hatte ich nicht, also habe ich mich auf das wesentliche reduziert – einen seltsam verfalteten Roboter. Wenn ich von mir zu Hause in die Stadt fahre, komme ich fast unweigerlich an meinem geliebten Hafen vorbei. Hinter dem größeren der beiden Hafenkräne am Nordufer des Hafenbeckens im Westhafen war noch genug Restlicht der gerade untergegangenen Sonne. Belichtung runtergedreht damit der Kran eine Silhouette wird, Tele aufgeschnallt und das Bild sitzt beim ersten Versuch. Das ging ja schnell. Tagsüber hätte es dieses Bild natürlich nicht gegeben. 

Das Fenster zum Hof
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Im Hafen hätte es noch so einige Fenster zu Höfen gegeben, aber da steig ich nicht aus dem Auto mit der dicken Kamera in der Hand. Also weiter in die Innenstadt, Auto am Dachauplatz geparkt und mit ganz schmalem Gepäck, also nur Body mit 85mm f/1.8 und einer Flasche Wasser, in die Altstadt. Der Bischofshof war da natürlich prädestiniert und vermutlich hatten auch andere diese Idee, aber nachdem ich dort angekam und den großen Schriftzug „Bischofshof“ unter einem Fenster sah, musste ich nur noch etwas Festbrennweiten-Yoga machen um das „hof“ mit dem Fenster in das Bild zu komponieren und schon hatte ich Bild Nummer 2 in Kasten. Ach ja, Danke an die besorgten Touristen, die dachten, ich hätte Kreislaufprobleme, weil ich mich am Straßenrand fast auf den Rücken legen musste, um den richtigen Winkel zu bekommen. 

Moderne Zeiten
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Na zu dem Thema war ich ja im der Altstadt genau richtig – nicht. Aber was will man machen – auf jeden Fall kein Schaufenster mit einem MacBook fotografieren. Ja und dann steh ich da vor dem alten Rathaus und die schicken LED Leuchter im alten Gewand gehen gerade an. Neues Licht in alten Lampen dazu ein ovales  Fenster und altes Gemäuer des immerwährenden Reichstags. Bingo. 

Das Ding aus einer anderen Welt
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Direkt hinter dem alten Rathaus steht in einem Hof eine blankpolierte Metallpyramide. Ich wusste auch schonmal, warum die da steht, aber ich habs wieder vergessen. Egal, mit etwas „Forced Perspective“ wird aus der Pyramide und der Laterne am anderen Ende des Platzes ein schickes „Ding aus einer anderen Welt“. Hatte ich erwähnt, dass ich die letzten beiden Motive tagsüber so natürlich nicht gemacht hätte, weil sie ohne das OSRAM Sponsoring einfach nicht funktioniert hätten. Aber weiter weiter, die Hälfte ist durch und ich bin noch nicht mal eine Stunde aus dem Haus. 

Vom Winde verweht
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Wie (un)passend. Kein Wind, keine Fahnen, keine Mülleimer, die überquellen. Am Haidplatz nehme ich die teilweise (hoffentlich vom Wind) zerfetzte Gerüsteinhüllung als Backup-Bild mit. 20 Minuten später habe ich noch nix besseres, also belasse ich es dabei. 

Die Brücken am Fluß
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Ja wie willst jetzt da ein Bild mit Alleinstellungsmerkmal machen? Ich erinnere mich an ein Bild von Tobias Becq, in dem ganz aus dem Westen irgendwo durch enorme Telestauchung wirklich alle relevanten Donaubrücken  in ein Bild gedrückt werden. Ich hab nur das 85er drauf, es wird dunkel und ich schwitze. Also gehe ich zum Regenburg Modell an der Wurstkuchl und will da dieses Bild machen. Zu dumm daß das Modell das historische Regensburg zeigt, also ohne die ganzen Brücken des 20. Jahrhunderts. Egal, „die eine Brücke“ ist drauf und der Rest ist Bokeh. Ich mag das Bild. 

Manche mögens heiß
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Das Wasser ist schon lange leer, aber für ein verschwitztes Selfie bin ich mir noch zu schade. Also gehe ich die übliche „on Tour“ Pfade Richtung Parkhaus auf der Suche nach der heißesten Schaufensterpuppe der Stadt. Hat ja bei meinen Kunstkopf-Serien schon zweimal gut funktioniert. Richtig heiß ist da aber natürlich keine, und so will ich schon fast auf die Selfie Idee zurückgreifen, als ich doch noch fündig werde. Aber es ist keine heiße Puppe im platten Sinn, sondern ein abstrakter weißer Kopf, der durch Beleuchtung und Spiegelungen tatsächlich so aussieht, als würde er schwitzen. Passt. 

Denn sie wissen nicht was sie tun
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Zum Schluss was offensichtliches. Eine Bank – weil es so schön „Facebook-Meinungsmacher-Sozialkritik-tauglich“ ist. „Die wissen ja echt nicht, was sie tun“. Einen passenden Ausschnitt meiner Hausbank gewählt, abgedrückt und fertig. 

Runtastic gestoppt – nicht mal eine Stunde war ich in der Altstadt. Also schnell das Parkticket entwerten, damit es noch kostenlos ist, einen Kaffee beim Goldenen M getrunken um die Bilder auszusortieren und ab nach Hause. Door to Door in zwei Stunden. Die Ergebnisse gefallen mir, der Aufwand auch. Was will man mehr. 

Wie war euer Fotomarathon? Über Berichte freue ich mich jetzt schon – und einen ganzen Sack davon gibt’s ja mit Sicherheit auf der Mittwochstour von „on Tour Regensburg“.