Zentrale Gassen in Regensburg

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Das Thema Zentralperspektive hatte ich ja vor längerer Zeit schon einmal, heute suchte ich eine Möglichkeit, der HDR Funktion von Lightroom CC weiter auf den Zahn zu fühlen – und zwar tagsüber, ohne Stativ und mit Chef und Kinderwagen. Also zogen wir durch die Regensburger Altstadt auf der Suche nach immer engeren, aber möglichst geraden kleinen Gassen, die eine schöne Flucht in die Zentralperspektive ermöglichen. Naja, gerade ist in der Regensburger Altstadt eigentlich garnix, aber bei den Verzerrungen, die mein Nikon 16-35mm Weitwinkel macht, muss man eh zweimal hinschauen, ob es an der Optik oder an der Architektur liegt, wenn eine Wand schief ins Bild kippt. Nur am Fotografen liegt es heute sicher nicht, denn ich habe mich zurückgehalten und schön gerade geschossen, um alle Bilder im gleichen Stil zu bekommen.

Aber wozu denn nun HDR? Und dann auch noch ohne Stativ! Am Tag!
Nun ja, weil allen Bildern gemeinsam ist, dass es im Bereich des Bodens der engen Gassen sehr dunkel ist und der meist strahlend blaue Streifen Schäfchenwolkenhimmel in der oberen Bildmitte sehr viel heller ist.
Also habe ich die meisten Bilder mit der Bracketing Funktion meiner Nikon D610 geschossen. 2 Bilder im Abstand von 3 Blendenstufen. Die kürzere Belichtungszeit immer zwischen 1/1000s und 1/500s – je nach Breite und Tiefe der Gasse – und die längere Belichtungszeit eben dann zwischen 1/125s und 1/60s. Das Ganze bei Blende f/6.3 und ISO100. Denn auch wenn ich jetzt gleich mit der Lightroom Lobhudelei anfange – hohe ISO-Werte und HDR produzieren auch in Lightroom erst Rauschen und dann Pixelmatsch. 1/60s aus der Hand halten ist bei 16mm gar kein Problem – und schon gar nicht, wenn man ein stabilisiertes Weitwinkel hat ;-)

So, in Lightroom werden also jeweils die zwei zusammengehörigen Bilder in der Bibliotheksansicht selektiert und mit [Ctrl]-H oder dem Eintrag „Zusammenfügen von Fotos->HDR“ aus dem Kontextmenü verrechnet. Die Optionen sind sehr überschaubar, automatisch ausrichten ist eine gute Idee bei Freihand, Automatische Tonwerte ist ein Blödsinn, weil dieser Automatismus auf Teufel komm raus das Histogramm bändigen will, egal wie das Bild dann aussieht. Dann kann man noch Geister – also Objekte, die sich zwischen den Aufnahmen bewegt haben – in unterschiedlichen Stärken entfernen lassen. Das dauert auf meinem Rechner ewig und das Resultat sieht für mich nicht zufriedenstellend aus. Also lieber bei der Aufnahme warten, bis der letzte Passant um die Ecke gebogen ist, oder Geister final in Photoshop mit Content Aware Fill entfernen.
An dieser Stelle gleich ein kleiner Kritikpunkt. Es wäre jetzt einfach, sehr schnell viele HDRs berechnen zu lassen. Allerdings hat Adobe bisher auf eine Art Batch-Modus zum Zusammenfügen verzichtet. Und schlimmer noch, der HDR Dialog ist modal, d.h. er blockiert den Rest von Lightroom. Und so wartet man pro Bild ca. 60s, bis die Vorschau gerechnet ist und man einmal auf OK drücken darf. Die eigentliche Erstellung der HDR Bilds erfolgt dann im Hintergrund (wie ein „normaler Export“). Zu diesem Zeitpunkt kann man dann mit den nächsten 2 Bildern weitermachen. Das nervt natürlich, weil man nix anderes nebenbei sinnvoll machen kann (außer TV oder Facebook gucken).
Aber nach dieser Kritik kommt jetzt der angekündigte Lobhudler: Das Ergebnis der HDR Zusammenführung ist ein dng, also eine raw Datei, mit der man jetzt den üblichen Lightroom Workflow durchturnen kann. Mit dem kleinen Unterschied, das z.B. der Belichtungsregler jetzt von -10 bis +10 geht (statt -4/+4 normalerweise). Und wem die Lightroom Bordmittel jetzt noch nicht reichen, der kann ja immer noch mit Nik Color Efex oder dem Topaz Zeugs auf die Bilder losgehen. Damit verlässt man aber dann natürlich den nicht-destruktiven Workflow und arbeitet auf einer Tiff Kopie weiter.

Und was sage ich als HDR Junkie zu den Ergebnissen: Braucht jemand meine Photomatix Lizenz? Was ich damit sagen will, die Ergebnisse sind der Hammer. Eine sehr natürliche Anmutung, keine, also absolut überhaupt keine Halos (und dass bei zwei Bildern mit 3 Blendenstufen Abstand) und so gut wie keine Verstärkung des Rauschens im Wohlfühlbereich der Kamera. Klar, wenn ich in tiefster Nacht bei Blende f/1.8, ISO 6400 und 1/30s mit 28mm Brennweite Freihand fotografiere, werde ich auch mit Lightroom CC keine Galeriequalität out of the box erlangen. Aber für den Normalbetrieb löst es bei mir seit der ersten Benutzung Photomatix (und weitestgehend auch Photoshop) zu 100% ab. Wie es sich bei einem intensiveren Nachtshooting verhält, habe ich noch nicht exzessiv ausprobiert, aber das hole ich sicher bald nach.

Jetzt schaut euch erst mal die Bilder an und freut euch an der Power von Lightroom CC und der wunderschönen Regensburger Altstadt.
btw: Auf meiner Facebook-Seite seid ihr herzlich dazu eingeladen, euer Straßennamen-Wissen in Regensburg mittels Bildkommentaren zu den einzelnen Bildern zu testen.

Bitteschön: