Horch meets Hartan – Das Audi Museum in Ingolstadt

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Da stehst du in der Früh auf, schaust aus dem Fenster und es regnet in Strömen – Das nenne ich Museumswetter. Also habe ich meinen kleinen Chef eingepackt, das Auto mit Babyutensilien für einen Halbtagesausflug befüllt und eine schlanke Kameratasche gepackt. Unser Ziel: Das Audi Museum in Ingolstadt.

Mein letzter Besuch in diesem Museum liegt auch schon wieder 5 Jahre zurück, damals noch mit der Panasonic Lumix FZ50, einem wackeligen Stativ aus Korea und einem Hang zu extrem überdrehten HDRs. Dieses Mal hatte ich natürlich die Nikon D610 dabei, mein Nikon 70-200mm f/4 und das Nikon 28mm f/1.8. Das Stativ hab ich gleich daheimgelassen, denn aufwendige HDRs wollte ich nicht machen, und die D610 kann ISO-technisch ja gut was wegstecken. Mir schwebte nämlich eine Fotoserie in folgendem Stil vor: Alle Bilder in Schwarzweiss, hauptsächlich Detailaufnahmen und viel Spiel mit Unschärfe. Warum ich dann nicht mein 105er Macro von Sigma mitgenommen habe? – Gute Frage!

Das Museum bietet eine „Zeitreise“ durch die Geschichte der einzelnen Unternehmen, aus denen Audi, so wie wir es heute kennen, hervorgegangen ist. Autounion, DKW, Horch, Wanderer, NSU… wer es genauer wissen will, soll einfach mal selbst hinfahren. Die Zeitreise geht über zwei Stockwerke, wobei im oberen (3. OG) die automobilen Anfänge ausgestellt sind und im unteren Stockwerk (2. OG) Fahrzeuge aller Art ab Baujahr 1950 zu sehen sind. „Fahrzeuge“ beinhaltet hier übrigens immer Autos und motorisierte Zweiräder. Im 1. OG ist eine Sonderausstellungsfläche, die entweder leer ist, oder wenn man Glück hat gerade ein paar echte Schmankerl beherbergt. Bei meinem letzten Besuch waren es ein paar richtig coole Ralley-Fahrzeuge, dieses Mal war es eine Sonderausstellung zum Thema Polizeifahrzeuge (ganz nett, aber auch nicht mehr).

Viele der „alten Meister“ im 3. OG stehen leider in Vitrinen und können nur mit einer guten Portion Spiegelungen fotografiert werden. Aber es gibt auch genug Fahrzeuge auf dieser Ebene, an die man richtig nah rankommt. Im 2. OG ist dagegen alles offen zugänglich. Zugänglich wird aber sofort eingeschränkt, wenn man sich zu lang oder zu oft auf eins der Fehrzeugpodeste stellt und in die offenen Fahrzeuge lehnt. Da sind die netten, grau gekleideten Damen sehr schnell zur Stelle und bitten um etwas mehr Abstand – was aber kein Problem ist mit 200mm Brennweite.

Wenn man das erste Mal nach Ingolstadt kommt, sollte man nicht all zu viel automobile Masse erwarten, vor allem wenn man BMW in München oder Mercedes und Porsche in Stuttgart kennt. Das Museum Mobile im Audi Forum ist klein aber fein. Weniger Autos als bei der Konkurrenz, aber dafür allesamt sehr ansprechend arrangiert und dargestellt. Für den Fotografen ist das Museum ein Traum. Das Museum ist ein Rundbau, dessen Außenfassade komplett aus Glas ist, d.h. an Licht mangelt es innen nicht. Und selbst die Mitte des offenen Baus wird noch einmal durch ein riesiges rundes Dachfenster erhellt, dass so ganz nebenbei auch eine tolle Reflektion in den Bildern hergibt. Viele der Fahrzeuge sind durch halbtransparente und zum Fahrzeug passend bedruckte Stoffbahnen voneinander getrennt, so dass man sie schön einzeln ablichten kann. Ach ja, ein paar 2-Shot Freihand HDRs für Lightroom 6 sind natürlich auch dabei. Erkennt ihr sie?

Und weil ich ja wie gesagt mit meinem 9 Monate alten Sohn dort war gibts noch ein paar Windelbomber Infos:

  • Das Museum ist komplett barrierefrei eingerichtet, d.h. ein Besuch mit Kinderwagen ist ohne Probleme möglich.
  • Alle Etagen sind über 2 geräumige Aufzüge erreichbar, allerdings kam zeitgleich mit uns eine Busladung Rentner an, was die Aufzugbenutzung etwas zur Geduldsprobe machte.
  • Im Gastrobereich neben dem Museum gibt es einen Wickelraum mit Stillgelegenheit und angeschlossener Spielecke (mit einer Mega-Murmelbahn). Der Wickelraum hat Vollausstattung, d.h. komfortabler Wickeltisch mit Abreißunterlagen, fließendes Wasser, Feuchttücher und Pamperswindeln in allen Größen. Nicht, dass ich bis auf das fließende Wasser alles auch die ganze Zeit in der Wickeltasche mit mir rumgefahren hätte.
  • Gläschen erwärmen lassen ist im Gastro Bereich ebenfalls kein Problem.
  • Alle Mitarbeiter sind sehr hilfsbereit wenn man mit Kinderwagen unterwegs ist (ich wurde an der Museumseingang 5 Minuten babytechnisch gebrieft, im Gastrobereich wurde mein Tablett zum Platz getragen usw.)

Alles in allem ein gelungener Ausflug, den man gut in einem halben Tag von Regensburg aus schafft. Wir sind um 09:00 losgefahren und waren um 14:30 wieder daheim. Was man schon merkt, ist das es ab Mittag deutlich voller wird im Museum, d.h. früh aufstehen lohnt sich, aber das macht mein Chef sowieso.

Na egal, viel Spaß mit den Bildern: