Dragracing über alles

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Es begann mit einer Freundschaftsanfrage von Kerstin Vetterl auf Facebook und einer sofort hinterhergeschickten Mail. „Mein Mann ist ein ganz großer Fan deiner Bilder von den Classic Car Meetings und ich wollte ihm zum Geburtstag ein Shooting mit dir schenken.“ Im weiteren Verlauf der Unterhaltung stellte sich heraus, das es sich hier um keinen „gewöhnlichen Oldtimer“ drehte, sondern um eine 62er Chevy Nova mit 5,8 Liter Hubraum und knapp 500PS, die für ausschliesslich für Dragracing verwendet wird, d.h. keine Straßenzulassung, Transport auf einem Hänger und ein Motorensound, der kilometerweit durch Mark und Bein geht.

Und dann noch die Anforderung, dass neben den HDR Bildern auch eine Portaitsession von Auto und Fahrer in vollem Rennoutfit in der Session enthalten sein sollte. Nachdem ich mir dann noch die Bilder anderer Fotografen von dem Auto auf der Facebookseite von Daniel Vetterl angeschaut hatte, war mir klar, dass dieses Shooting etwas ganz besonderes wird.

Leider zog uns der erste Novemberschnee einen hässlichen Strich durch die erste Rechnung und wir mussten das Shooting leider mehrfach verschieben. Ende November erwischten wir dann aber doch noch einen Termin, an dem Wetter und Terminkalender zusammenpassten. Erster Treffpunkt waren die alten Scheck Hallen gleich bei mir vor der Haustür für das Portraitshooting und die ersten HDRs. Noch während Kerstin und Daniel die Nova vom Hänger schoben, konnte ich schon die ersten Detailaufnahmen schießen und mich mit den Besonderheiten des Autos vertraut machen.

Was für eine geile Kiste. Die Tatsache, dass Daniel selbstständiger (und sehr guter) Lackierer ist, ließ sich 1:1 am makellosen Zweifarbenfinish der Nova ablesen. Zum Glück war ich ein paar Tage vorher bei der Zacharias-Hausmesse zur Sensorreinigung.

Das Portraitshooting war relativ schnell im Kasten. Lediglich mein billigstes Blitzstativ mit dem Durchlichtschirm wollte einige Male dem kalten Novemberwind nicht standhalten. Und selbst der komplett schwarze Rennkombi von Daniel war nicht so schwer auszuleuchten, wie ich anfangs vermutet hatte. Da wurde ich mutig und hab auch einige Bilder von ihm im Auto mit aufgesetztem Helm bei 8mm geschossen. Ich hätte ja nicht gedacht, dass meine improvisierte Snoot das Licht so gut in die freien Bereiche seines Gesichts lenken würde, aber hat prima funktioniert.

Als der Himmel von Blau auf schwarz wechselte, hab ich noch die ersten zwei HDRs an der Location geschossen. Bis dahin alles bestens. Beim ersten Verladen der Nova auf den Hänger war dann aber schnell klar, dass wir nicht viele Locationwechsel machen würden – es dauerte nämlich schon eine Weile, bis alles verzurrt war und es war vor allem brachial laut.

Nächster Stop: Gewerbepark. Industriegebäude mit punktueller Beleuchtung. Und so fanden wir auch ein freies Plätzchen, an dem wir die Nova immer wieder schön unter einer einsamen Lampe umherrangieren konnten – ohne den Motor anzulassen. Mittlerweile war es stockdunkel und bei Belichtungszeiten bis zu zwei Minuten hatte ich auch endlich Zeit, ein wenig mit Daniel über sein ausgefallenes Hobby Dragracing zu quatschen. Absolut abgefahren, was er mir da alles erzählt hat. Aber das würde hier jetzt definitiv den Rahmen sprengen. Nur soviel – er ist deutscher Vizemeister 2011 und ‚King of Germany‘ 2012.

Nachdem ich das Auto an der Location aus allen Richtungen und Perspektiven in Szene gesetzt hatte, wollte ich aber dann doch noch an eine ganz bestimmte Stelle: in den Betonbunker, in dem mein eigenes Auto jeden Tag parkt, während ich arbeite. Luftlinie zu aktuellen Location etwa eine Viertelmeile..o_O – wir haben die Nova aber doch lieber auf den Hänger gepackt als die Aufmerksamkeit von Sicherheitsdienst und neugierigen Nachbarn auf uns zu lenken.

Im Parkhaus lief dann alles wie geschmiert. Auto vom Hänger, Weitwinkel auf die Kamera und immer schön schräg fotografieren, damit sich die Deckenstreben auch ja schön um die 8mm-Linse biegen. Nachdem ich auch an dieser Location alles im Kasten hatte, konnten wir durchgefroren, erschöpft und total zufrieden nach etwa drei Stunden das Shooting für vollendet erklärt. Das erste Portrait MUSSTE ich sofort nachdem Import der Bilder in Lightroom bearbeiten und dem Daniel als Teaser schicken. Die restlichen Bilder waren dann nach etwa zwei Wochen fertig und sind super angekommen. Aber schaut doch einfach selbst.
Bitteschön.