Es begann in Perranporth

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Nachdem nun auch der letzte Oldtimer in einer Garage, einem Schuppen oder sonst einem Unterstand in den Winterschlaf entschwunden ist, wird es Zeit für eine kleine Reflektion meiner ersten Jobs im Bereich der automobilen Fotografie. Deshalb möchte ich in dieser Serie einige der Jobs vorstellen, die ich in den letzten Monaten so durchgezogen habe.

Den Anfang macht ein Auftrag, der gleich mal so gar nicht meiner ’normalen‘ HDR Fotografie entsprach. Klar, es ging um einen schicken Oldtimer, genauergesagt um einen Austin Healey 3000 MKIII, aber der Besitzer wollte vor allem Detailaufnahmen und weniger schräge HDR-Gesamtansichten bei 8mm Brennweite. Und Details hatte dieses Auto wirklich ohne Ende. Fast drei Stunden bin ich in, um, neben und unter dem Auto herumgesprungen, damit ich auch ja alles einfagen konnte.

Detailaufnahmen von einem hochpolierten schwarzen Auto mit Unmengen von Chrom – da sollte man die Location mit Bedacht wählen, denn eigentlich sieht man das Auto von lauter Spiegelungen im Lack und Metall ja fast nicht. Und irgendwelche Alltagsgegenstände, Passanten, Verkehrsschilder und ein strahlend blauer Sommerhimmel sind nicht, was ich mir als Inhalt der Spiegelungen vorgestellt habe. Ich dachte da eher an kantigen Beton, harte Lichtkanten und starke Muster.

Also haben wir uns ein schattiges Plätzchen in den Katakomben der Regensburger Uni gesucht, das Auto in den Halbschatten geparkt und ich konnte loslegen. Um mir das Licht so zu gestalten, wie ich das wollte, hatte ich mein komplettes China-Blitz-Besteck dabei. Aber die richtige Ausleuchtung von kleinen Details eines Autos mit Blitzen hatte ich mir doch einfacher vorgestellt. Aufgrund der vielen Spiegelungen waren immer wieder Schirme, Softboxen oder Stative im Bild zu sehen, was natürlich auf keinen Fall ging.

Deshalb war die Bildausbeuterate relativ gering – auf einen Schuss, der gesessen hat, kamen ungefähr 10-15 Testschüsse. Und wie so oft in einer Fotosession sind 80% der am Ende ausgewählten Bilder in der letzten halben Stunde des Shootings entstanden.

Ein weiterer, interessanter Aspekt, den ich während des gesamten Shootings nicht außer Acht lassen durfte, waren die Ausgabeformate, in denen die finalen Bilder abzugeben waren. Einmal quadratisch und einmal im Seitenverhältnis 3:1. Unterschiedlicher geht es kaum. Um so erstaunlicher, dass viele der finalen Bilder in beiden Formaten funktionieren.

Die Bilder sollten möglichst wenig nachbearbeitet werden, lediglich die Lightroom Standards und entweder komplett Schwarzweiss oder mit stark entsättigten Farben. Kein Problem bei einem schwarzen Auto in einer grauen Umgebung, meint man. Doch gerade die Sache mit den entsättigten Farben bereitetete mir bei vielen Bilder enorme Kopfschmerzen, weil dieser Effekt nur wirkt, wenn das Bild von selbst schon fast ein Color Key ist. Hat man zu viel unterschiedliche Farbtöne im Bild, wirkt eine Entsättigung unruhig und ablenkend. Dominiert dagegen ein rot-gelber Rückscheinwerfer vor schwarzem Lack, kann dieser Effekt all seine Stärken ausspielen.

Eine Auswahl der Bilder wurde in 20x20cm und in 120x40cm hinter Acrylglas ausbelichtet. Bereits beim Auspacken der kleinen Quadrate hat es mir angesichts der Qualität der Produkte fast die Sprache verschlagen, aber als ich die 3:1 Bilder aus der Verpackung holte, war ich kurz davor, alle zu behalten und bei mir zu Hause aufzuhängen. Acryl-Ausbelichtungen sind einfach der Hammer.

Aber jetzt genug der vielen Worte, schaut euch die Bilder an und sagt mir, was ihr davon haltet: