iMASP ist nicht von Apple

Ich habe mich beim Fotomarathon in München und in meinem Bekanntenkreis mal umgehört. Wer hat eine Kamera mit User Settings und wie werden diese verwendet.

Hier die häufigsten Antworten:

  • Keine Ahnung ob meine Kamera das hat, ich würde es aber eh nicht nutzen.
  • Meine Kamera hat keine User Settings, brauch ich aber auch nicht.
  • Meine Kamera hat User Settings, aber die nutze ich nicht wirklich.

Es gab auch ein paar wenige, die das Feature ab und zu nutzen, aber so gut wie niemand konnte mir auf Anhieb sagen, wie man die Settings ändert, speichert, resettet usw. Das hat mich verwundert, denn die gleichen Leute können mir jeden Keyboard Shortcut in Lightroom runterbeten, haben die Homescreens ihrer iOS Geräte total durchoptimiert und haben Hemden mit ihrem eigenen Monogramm (Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen).

Wahre Individualisten eben.

Warum also nicht das Angebot der Kamera annehmen und sich ein Setting zusammenbasteln, dass man sich mit M, A, S und P (I’m talking Nikon) nicht ohne Menüakrobatik zusammenstellen kann. Deshalb will ich euch heute mal beschreiben, wie ich die beiden Slots der User Settings nutze. Ich hätte sogar Bedarf für einen U3 und U4 und würde gerne SCENE und ‚Ohne-Blitz-Automatik‘ dafür eintauschen, aber soweit geht die Freiheit eines Nikonianers leider nicht.

Aber womit habe ich denn nun meine User Slots belegt

  • U1 ist mein HDR Preset
  • U2 ist mein ‚manueller ISO-Automatik Modus‘
  • U3 wäre ein ‚ISO-Automatik Modus mit Blemdenvorwahl‘
  • U4 wäre ein spezieller Modus zur Verwendung der Eyefi Karte.

Die Anordnung von U1 und U2 ist praktisch bedingt. U2 ist direkt neben M und diesem natürlich sehr ähnlich. So schalte ich bei meinen Serien oft zwischen den beiden hin und her – da ist es gut, wenn sie auf dem Moduswahlrad direkt nebeneinander liegen. Wenn ich dagegen zum HDR fotografieren gehe, bleibe ich dauerhaft im U1, da ist es egal, wo er auf dem Wählrad ist.

U1 ist wenig spannend, da ist einfach schon das Bracketing aktiviert, die Drehräder verstellen um 1/2 und nicht um 1/3 Blenden, RAW&JPG ist aktiv usw. Lauter Dinge, die man in meinem HDR Tutorial nachlesen kann.

Was leider nicht geht, ist das automatische Umstellen auf die IR Fernbedienung, das ist an der D7000 auf dem Ring unter dem Moduswahlrad – und produziert jedes Mal wieder verpasste Bilder, weil die Kamera im IR Modus leider gar nicht auf den normalen Auslöser reagiert.

Aber reden wir lieber mal über die ISO-Automatik, das ist interessanter.
Wir haben ja in der Fotografie drei Stellschrauben für die Belichtung:

  • Blende
  • Verschlusszeit
  • ISO-Empfindlichkeit

Nutze ich (ohne ISO Automatik) die Blendenvorwahl, gebe ich Blende und ISO vor und die Kamera berechnet eine passende Verschlusszeit.
Nutze ich (ohne ISO Automatik) die Zeitvorwahl, gebe ich Verschlusszeit und ISO vor und die Kamera berechnet eine passende Blende.
Ist es da nicht die logische Weiterführung, dass es einen Modus gibt, in dem ich Blende und Verschlusszeit vorgebe und die Kamera einen passenden ISO Wert für eine korrekte Belichtung besteuert?

Jetzt dämmert es vielleicht auch beim Titel des Blogposts.

Das ist aber immer die Stelle, an der die Modus-M-Puristen sich über das High-ISO-Rauschen beschweren, dass sie bitte selbst kontrollieren möchten. Dazu möchte ich zwei Dinge sagen.

Erstens bin ich selbst ein Modus-M-Purist, aber manchmal ist nicht vor jedem Bild Zeit, die Belichtung komplett manuell einzustellen – sagte der Vater einer 14 Monate alten Tochter. Und zweitens rette ich lieber den ISO3200 Schnappschuss meiner in den Schatten flitzenden Chefin in Lightroom, als ein total unterbelichtetes Bild in der gleichen Software mit einem X zu kicken und gar kein Bild zu haben.

Und mal ehrlich, ISO3200 an der Nikon D7000 und Lightroom 4.x – das erzeugt absolut brauchbar Ergebnisse. Die D7000 kann zwar ISO6400, aber das sieht dann nicht mehr wirklich schön aus. Und da die Automatik nur ganze Blendenstufen als Obergrenze kann, dann geh ich lieber auf Nummer sicher und bleib bei den konservativen ISO3200.

Eine weitere Einstellung, die man bei der ISO Automatik setzen muss, ist die längste Verschlusszeit, bevor die Automatik anspringt. Ich habe mein U2 Setting so eingestellt, das die Startwerte immer 1/400s bei Blende 4 sind. Als längste Verschlusszeit habe ich 1/320s eingestellt, d.h. im Ausgangszustand regelt die Kamera sofort über die ISO. Kürzer als 1/400 geh ich in dem Modus eh nicht, weil ich mir sonst Bewegungsunschärfen einfange.

Alles in allem finde ich, dass dieser Modus die perfekte Voraussetzung ist für z.B. das Fotografieren auf Familienfeiern oder Hochzeiten, beim Sightseeing (Kirche rein, Kirche raus) oder eben bei spielenden Kindern. Denn ich lege hier die bildgestalterischen Parameter Blende und Verschlusszeit fest und die Kamera hilft mir trotzdem noch situationsbedingt eine saubere Belichtung hinzubekommen.

Was man in diesem Modus allerdings nicht machen darf, ist das Nachstellen von Blende und Verschlusszeit zur Belichtungskorrektur, wie man es als Modus-M-Purist gewohnt ist.
Belichtung eine Blendenstufe zu hoch – Einfach halbe Verschlusszeit nehmen.
Das geht hier nicht, denn da korrigiert die ISO Automatik sofort dagegen. Das bedeutet, dass man solche Korrekturen in diesem Modus wirklich über die +/- Belichtungskorrektur machen muss, damit die ISO Automatik auch weiß, dass man jetzt z.B. eine Blende unterbelichten will.

So, genug erzählt, jetzt seid ihr dran.
Was haltet ihr von dieser Nutzung der User Settings..?
Wie nutzt ihr die User Settings eurer Kamera..? (vorausgesetzt ihr könnt und ihr wollt)