Serielle Baumkronen in HDR

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Die Winzerer Höhen sind ein Ausflugsziel, das man gesehen haben muss! Hier genießt man einen sensationellen Blick über Regensburg. Vor allem der abendliche Blick in die Dämmerung und über das Lichtermeer ist zu empfehlen!

So hört sich das auf regensburg.de an, wenn man nach Informationen über diese angeblich so schöne Ecke von Regensburg sucht. Was da nicht steht? Das 90% der Spazierwege auf den Winzerer Höhen im Wald liegen und man genau einen sensationellen Blick auf den nächsten Baum hat. Aber schön ist auch das. Und wenn man weit genug geht, kommt man natürlich auch an den ‚Schaufenstern‘ vorbei, wo man auf die verschiedenen Teile von Regensburg blicken kann.

Wie ihr euch denken könnt, war ich nicht nur zum spazieren und Kinderwagen schieben dort. Nein, ich wollte eine ‚Regensburg aus der Ferne‘ Serie machen, d.h. die großen Sehenswürdigkeiten mit dem Tele schön freigestellt ablichten. Und dann stand ich da im Wald.

Also mal wieder Plan B. Und da sag ich nur Mischwald, Nachmittagssonne und Weitwinkel. Nachdem Weitwinkel und nach oben schon in der Stadt gut funktioniert hatten, habe ich mich auch in dieser Umgebung daran versucht.

Allerdings waren die Lichtverhältnisse diesmal etwas komplexer. Keine senkrechten, massiven Häuserfronten und ein klar abgegrenzter, grau bedeckter Mittagshimmel, sondern diffuse Blätterstrukturen vor einem strahlend blauen Sommerhimmel mit Schäfchenwolken. Nach den ersten Testbildern war klar, diese Motive übersteigen den Dynamikumfang der Kamera.

Also HDR..?

Mein Stativ hatte ich natürlich nicht dabei, mir blieben daher maximal 3 Freihand-Aufnahmen mit 2 Blendenstufen Abstand, Nikon’s Vorstellung von sinnvollem Bracketing. Nicht Gut. Dann noch leichter Wind in einem Laubwald, d.h. viele kleine bewegte Objekte (Blätter). Auch nicht gerade die besten Voraussetzungen für HDRs.

Wie auch immer, um auf Nummer Sicher zu gehen, hab ich natürlich trotzem Belichtungsreihen aus der Hand geschossen. Die Blende konnte ich dabei nur mäßig schliessen, denn die obere Grenze von 1/60 Sekunde Verschlusszeit wollte ich nicht überschreiten. Man sollte meinen, 8mm Brennweite hält man mit einer guten Körperhaltung und einer sauberen Atemtechnik mit erheblich längeren Belichtungszeiten, aber eben nicht als Belichtungsreihe und schon gar nicht überkopf senkrecht nach oben aus der Hocke.

Man könnte ja noch die ISO hochdrehen. Aus meiner reichhaltigen HDR Erfahrung kann ich aber sagen, dass man diese Option wirklich nur im absoluten Notfall einsetzen sollte – Stichwort Rauschen. Und soweit waren wir noch lange nicht.

Eingependelt habe ich mich dann bei Blende 6.3 bis 8 und einer Belichtungsreihe von 1/640s, 1/200s und 1/60s. Richtig, dass sind nicht die vollen 2 Blendenstufen Abstand, sondern nur 1,7 Blendenstufen. Auch dass sagte mir meine HDR Erfahrung. Mach die Abstände zwischen den Einzelaufnahmen nicht zu groß – Stichwort Halos.

Also hab ich fröhlich die Baumkronen fotografiert, gerne auch mit den unzähligen Vogelhäuschen als Subjekt im Vordergrund. Bei 8mm Brennweite ist ein Vordergrund eine sehr gute Idee, völlig unabhängig von HDR. War kein Häuschen zu sehen, zählte natürlich auch ein leerer Baumstamm.

Am oberen Ende der Bäume gab es zwei interessante Dinge. Zum Einen die Grenze zwischen Bäumen und blauem Himmel – das sind die Bereiche, die in der Nachbearbeitung richtig Spaß machen werden. Zum Anderen die direkte Sonne, die durch kleine Spalten im Blätterdach in meine Kamera blitzte.

Die Speicherkarte füllte sich HDR-typisch sehr schnell, Motive hatte ich ja genug.

Zu Hause wollte ich die Bilder selbstverständlich meinem Standard-HDR-Prozess unterziehen, musste aber beim ersten Bild in Photomatix leider folgendes feststellen:
Es sah einfach nicht gut aus.
So sehr ich auch an der Reglern schraubte, es war immer ‚too much‘. Und wenn ich etwas nicht leiden kann, dann sind das übertriebene HDRs bzw. HDRs wo kein HDR nötig ist.

Hatte ich also Unmengen von Pixelmüll produziert und den Verschluss meiner Kamera völlig umsonst gestresst? Natürlich nicht. Wenn Photomatix versagt, ist eben Handarbeit in Photoshop angesagt. Das bedeutet in diesem Fall eine Bearbeitung mit genau der Technik, die ein HDR auch durchlaufen würde, aber eben nur mit den Ausgangsbildern und ohne ein Tonemapping Result aus Photomatix.

Manuelles DRI mit Photoshop Bordmitteln sozusagen, klingt nach viel Arbeit – isses auch.
Aber die Ergebnisse sprechen doch für sich, oder..?