Brenizer Panoramen – Schärfentiefe war gestern

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Mal wieder etwas ausprobieren…
Heute: die Brenizer Methode.

Wem das nichts sagt: Ryan Brenizer ist ein amerikanischer Hochzeitsfotograf, der diese Art von Bildern warscheinlich nicht erfunden, aber sie bekannt gemacht hat. Deshalb wurde die Aufnahmetechnik wohl auch mit seinem Name verwurstet. Der liebe Herr Brenizer hatte wohl irgendwann bei einem Portraitshooting nur ein Tele dabei und wollte aber Weitwinkelaufnahmen machen. Licht war wohl auch knapp, denn er hat die Blende voll aufgerissen.

Also was hat er dann gemacht: Er hat auf sein Subjekt vorfokussiert und dann mehrere Einzelaufnahmen wie in einem Multirow Panorama geschossen, mit langer Brennweite und offener Blende. Diese hat er später am Rechner gestitcht und war wahrscheinlich super geflasht. Das Ergebnis ist nämlich ein Bild dem Bildwinkel eines Weitwinkelobjektivs und der Schärfentiefe eines Teleobjektivs. Und genau das macht den Reiz der Bilder aus. Man sieht sie an und erwartet entweder die geringe Schärfentiefe oder den großen Bildwinkel, aber nicht beides zusammen in einem Bild.

Kann ja nicht so schwer sein, Panoramen hab ich ja schon öfter gemacht. Aber noch nie aus der Hand bei 85mm. Vergesst Nodalpunkt, Stativ und die mathematische Präzision der ‚hohen Panoramakunst‘, Brenizer ist Panoramafotografie für Guerillas. Ptgui wird es schon richten.  Und das tut es auch meistens.
Sollte aber doch mal die ein oder andere Parallaxverschiebung auftreten, ist Handarbeit angesagt. Kontrollpunkte setzen, Einzelbilder zurechtrücken und im schlimmsten Fall Clone & CAF in Photoshop.

Was macht man, wenn man etwas noch nie gemacht hat? Google fragen. Und wo findet man eine Antwort auf fast jedes fotografische Thema: bei Paddy von neunzehn72.de.

Aber von Anfang an – So macht man Brenizer Aufnahmen:

  • Lichtstarkes Teleobjektiv aufschnallen, ich benutze natürlich mein NIKKOR 85 mm 1:1,8G
  • Ein passendes Motiv suchen, d.h. ein Subjekt im Vordergrund vor einem schön abgesetzten, interessanten Hintergrund
  • Menschen bieten sich an, es geht auch mit anderen Motiven.
  • So nah an das Motiv rangehen, dass es aufgrund der Brennweite nicht komplett auf’s Bild passt
  • Auf das Motiv fokussieren und Autofokus abschalten
  • Automatischen Weißabgleich abschalten
  • Blende aufreißen
  • Nach einem Muster, dass man sich vorher überlegt hat, die gesamte Szene fotografieren (dazu gleich mehr).
  • Darauf achten, dass in jedem Einzelbild immer noch etwas vom Vordergrund zu sehen ist, dann geht später das Stitchen einfacher
  • Ist das Motiv ein Mensch oder ist im Hintergrund viel los, dann sollte man schnell schießen, damit man später nicht so sehr gegen die Panorama-Geister kämpfen muss.
  • Fertig!

Nun aber zu dem Muster, dass man sich zum Aufnehmen der Bilder überlegen sollte. Überall sieht und liest man von einer mäanderförmigen Aufnahme. Der Vorteil ist natürlich, dass man erst mal das Motiv in einem Rutsch schießt, was bei humanoiden Subjekten bestimmt von Vorteil ist. Bei großen Motiven hat es allerdings den Nachteil, dass man sich leicht verschätzt und am Ende kein vollständiges Bild hat, sondern irgendwo in der Mitte ein kleines Stück nicht abgelichtet wurde. Naja, CAF wird es schon richten.

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Ich muss sagen, dass ich mit einer reihenweisen Aufnahme wesentlich besser gefahren bin. Zum einen vergisst man weniger Bilder und zum anderen tut sich Ptgui meiner Meinung nach leichter mit der Ausrichtung und das Stitching funktioniert reibungsloser.

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Wie bei allen Panoramatechniken erzeugt man auch mit Brenizer Aufnahmen in kürzester Zeit Unmengen von Daten, die bearbeitet werden wollen. Wie sonst hätte ich mein RAM Update auf 8Gb rechtfertigen können.

  • In Lightroom importieren und entwickeln. Wie immer bei Panoramen – auf alle Einzelbilder die gleichen Settings anwenden.
  • Aus Lightroom jpgs in voller Auflösung exportieren.
  • Die jpgs in Ptgui stitchen – aber das hier ist kein Ptgui Tutorial, also werde ich hier nicht auf die Details eingehen.
  • Zum Schluss noch den letzten Feinschliff in Photoshop – Croppen, CAF, Parallaxverschiebungen retuschieren usw.

Bleibt noch zu sagen, dass ich beim ersten Mal eine Ausschussrate von über 50% hatte. Leider merkt man erst nach langem Rumspielen in Ptgui, wenn ein Bild einfach nicht funktioniert. Aber dann sind da noch die anderen 50%. Und die gefallen mir richtig gut:

Ich wäre aber nicht der HDR-Panorama-Stativ-Panosaurus-Nachtfotografie-Freak der ich nun mal bin, wenn ich nicht schon eine Steigerung der Technik im Kopf hätte. Ich brauch nur noch den nächsten freien Abend zum fotografieren und ein paar Nächte zur Bearbeitung und dann erzähl ich euch was vom Weigelizer.