Das eiserne Triptychon

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Mein persönlicher Ironman Tag 2011 startete am 07.08.2011 um 04:00. Falls jetzt jemand glaubt, ich hätte daran teilgenommen – Sorry, dass ist nicht ganz meine Kragenweite. Ich war mal wieder ’nur‘ zum Fotografieren dort. Eigentlich fängt die Story aber schon am Vorabend an, als ich mich mal wieder nicht entscheiden konnte, was in die Fototasche sollte. Das Sigma 70-200 f/2.8 war klar, ebenso das Sigma 8-16mm f/4.5. Aber was sollte ich für den Bereich von 16mm bis 70 mm mitnehmen. Doppelt gemoppelt hält besser, sagt man ja, deshalb kamen noch das Sigma 24-70mm f/2.8 und mein geliebtes ‚Immerdrauf’ Nikon 35mm f/1.8 (ja, ich hab nicht nur Sigma Glas) mit. Letzteres erwies sich vor allem bei der anfänglichen ‚Streetfotografie’ als äußerst praktikabel. Als ich um 04:45 am Guggenberger Weiher in Neutraubling ankam, war es nämlich noch stockdunkel und hat wie aus Kübeln geschüttet. Da kommt eine lichtstarke und auch bei Dunkelheit schnell und sicher fokussierende Festbrennweite gerade recht. Außerdem ist die Kamera damit so klein, dass sie zum Schutz vor zu viel Regen bestens unter meinen Friesennerz passt.Was gibt es aber bei so einem Wettkampf so früh schon zu fotografieren: Jede Menge. Eigentlich wollte ich mich erstmal bei einem großen Kaffee aufwärmen (Temperatur- und Stimmungsmäßig), aber die Dunkelheit, der starke Regen und die gleißenden Flutstrahler haben einfach eine zu geile Atmosphäre geschaffen. Als das Schwarz dann langsam dem Grau wich und der Regen immer stärker wurde, habe ich mir dann aber doch erstmal Schutz am Kaffeestand gesucht. Dort hatte ich auch kurz Zeit, mal auf das 24-70mm Sigma zu wechseln, aber es macht in dem Bereich einfach mehr Spaß mit der Festbrennweite. Apropos Spaß, als der Regen nachließ und es langsam hell genug für Blende 4.5 (sprich mein 8-16mm) war, hab ich noch mal das ganze Areal inklusive Teilnehmern und Zaungästen ‚aus der 8mm Hüfte‘ geschossen.

Irgendwann war es dann Zeit, sich einen geeigneten Platz für den Schwimmstart zu suchen – was lag da näher, als sich den Pressefotografen anzuschließen und an deren Position zu pilgern – oder zu mindestens in die Nähe, weil einen Presseausweis hatte ich natürlich nicht. Also schön 90° zum Startufer mit der nicht vorhandenen Sonne im Rücken. Hätte die Sonne geschienen, wäre ich wohl eher auf die andere Uferseite gegangen, denn im Gegenlicht wären wahrscheinlich noch interessantere Startbilder möglich gewesen. Aber auch so war der Start überwältigend. Der ruhige Guggenberger wurde innerhalb weniger Sekunden zum brodelnden Kochtopf aus dem im gleichmäßigen Takt die schwarzen Neoprenarme winkten.

Als dann alle Athleten im Wasser waren und langsam Richtung Nordufer außer Reichweite meiner 200mm schwammen, war es an der Zeit, mich selbst ins Getümmel zu werfen – also rein in die Startzone und um einen passablen Platz am Ausstieg kämpfen. Nicht ganz einfach, sich gegen Massen von Spaniern, Niederländern, Japanern, Amerikanern, Engländern und Italienern durchzusetzen, die alle Papas, Mamas, Kinder oder auch nur Bekannte unter den Startern hatten und von denen ein Erinnerungsbild schießen wollten. Als ich meinen Platz dann hatte und die ersten Schwimmer auf die Zielgerade bogen, kamen auch wieder meine Freunde von der Presse und bestätigten mir, dass ich mir den richtigen Platz gesucht hatte. Leider hatten sie das Privileg, auf der anderen Seite des aufblasbaren Zielbogens – genau vor mir – zu stehen und versperrten mir damit total die Schußbahn. Aber kein Problem für matmaxx – die 8mm Brennweite ausgepackt und die Presse-Fotografen beim Fotografieren der Profiathleten in der Wechselzone fotografiert. Und nachdem die ersten 5 Profis durch waren, hatten die Bezahlfotografen ihr Material, verschwanden und gaben so den Blick ‚für mich’ frei. Beim Fotografieren der Schwimmer am Wasserausstieg musste ich allerdings wieder feststellen, wie schwer es selbst mit kontinuierlichem Autofocus ist, einen Menschen scharf abzulichten, der frontal auf einen zusprintet (Ausschussrate ca. 85%). Mit voranschreitender Zeit wurde dann aber die Trefferrate besser, mit Sicherheit auch, weil die Sportler immer langsamer aus dem Wasser stiegen, krochen und stolperten.

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Es wurde also langsam Zeit für einen letzten Locationwechsel: Startzone Bikestrecke, wo mittlerweile das Mittelfeld auf ihre Hightech Esel umstieg. Auch hier wieder Unmengen Fans und Pressefotografen die mir die Sicht nahmen. Aber mit meinen 1,90m Körpergröße und dem 70-200mm kann man auch gut ‚aus der zweiten Reihe schießen‘.

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Der Regen nahm wieder zu und so sparte es mir, eine weitere Stunde am Guggenberger Weiher auf die zweite Durchfahrt der Führungsgruppe der Radfahrer zu warten. Sondern lieber Semmeln kaufen und nach Hause zu Frau und Kind zum gemütlichen Sonntagsfrühstück mit erster Bilderauswertung. Ergebnis: Die Bäckerei Ebner hat mir zum vollen Preis Semmeln vom Vortag angedreht und die Bilder von den Radfahrern waren wegen dem starken Regen großteils Mist. Aber die würden ja noch länger radeln. Am frühen Nachmittag hab ich deshalb meine kleine Tochter in ihr Hartan-SUV gepackt und bin mir ihr zur Donauarena spaziert, sozusagen auf die ‚verlängerte Zielgerade‘ zum Wechselbereich Rad-Laufen am Dultplatz. Das Equipment hatte ich auf das 24-70mm und das 8-16mm geschrumpft, weil ich ja direkt an der Strecke war und mir das 70-200mm zu ‚lang’ gewesen wäre für dass was ich vorhatte: Mitzieher. Also Kamera auf manuell, 1/160s Verschlusszeit damit der Fahrer eingefroren, aber die Reifen und Bewegung sind. Nachführender Einzelfeld Autofocus etwas auf die linke Seite versetzt, damit die Radler ‚ins Bild reinfahren‘. Serienbildmodus in voller 4,5 Bilder/Sekunde Geschwindigkeit und dann draufhalten. 10 Gigabyte Rohdaten in 30 Minuten – und 90% Ausschuss ;-] Zwischendurch immer mal wieder auf 8mm gewechselt, Focussierung auf Unendlich (d.h. alles was weiter als einen Meter weg ist, ist scharf) und Mitzieher aus der freien Hand 5 cm über dem Boden.

Als ich dann genug Fahrräder ‚mitgezogen‘ hatte, wollte ich eigentlich noch Richtung Altstadt um Bilder vom abschließenden Marathon zu machen. Aber meine Tochter hatte andere Pläne und so lautete die dritte Disziplin des Regensburger Ironman für mich ‚Kinderwagen so schnell wie möglich den Brandlberg hochschieben’…

Und was liegt näher als diesen Dreiteiler für die aktuelle Happy Shooting Aufgabe ‚Triptychon‘ zu verwenden:

Das eiserne Triptychon